Sammlung

Die bedeutende frühneuzeitliche Festung – als Standort des Stadt- und Industriemuseums zugleich sein imposantestes „Objekt“ – birgt das Gedächtnis der Stadt. Die Sammlung des Museums bewahrt mit einer Vielzahl aussagekräftiger und Geschichte(n) tragender Objekte die dingliche Überlieferung. Sie reicht vom hier ausgegrabenen steinernen Schaber eines Neandertalers bis zum Industrieroboter.

Wichtige Sammlungsschwerpunkte bilden insbesondere technikhistorisch aussagekräftige Maschinen und Objekte, welche die Lokal-, Sozial- und Alltagsgeschichte spiegeln. Einen Sammlungskomplex bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeit.

Die Restauratorin kümmert sich um die Pflege der vielseitigen Objektgruppen – von Maschinen und Werkzeugen über Textilien und Kunstwerke bis zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen oder Werbemitteln. Die Sammlung spiegelt die Geschichte des Ortes und der Stadt sowie ihrer industriellen Entwicklung. Zahlreiche archäologische Funde belegen die Geschichte der Festung oder erzählen von der Zeit, als Steinzeitjäger, bronzezeitliche Händler und später römische Soldaten die Region durchwanderten.

Im ebenfalls hier beheimateten Stadtarchiv werden Pläne, Dokumente und Fotos zur Stadt und Regionalgeschichte bewahrt.

Neues aus der Sammlung

Plakat mit zwei Rennautos. Beschriftung: Automobil Rennen Mottorad Rennen auf der Opelbahn Rüsselsheim Sonntag 22. Mai Anfang 10 Uhr vormittags Ende 7 Uhr Nachmittags Eintritt M. 5 jede Person. Veranstalter Hessischer Automobilclub Wiesbadener Automobilclub

Automobilrennen auf der „Opel-Bahn“!

Dieses Plakat hat im Mai 1921 zahlreiche Besucher nach Rüsselsheim gelockt und ist nun ein spannender Zeitzeuge für die Geschichte des Automobilsports in Rüsselsheim. Die südlich von Rüsselsheim gelegene 1500m lange Rennstrecke „Opel-Bahn“ war zunächst als firmeneigene Teststrecke für Fahrzeuge gedacht. 1914 hatte die hessische Regierung Opel zum Bau verpflichtet, da ihr die Testfahrten der Neuwagen auf öffentlichen Straßen durch die Gefährdung des Publikums, die immense Staubentwicklung und die Abnutzung der Wege zunehmend ein Dorn im Auge waren.

Das hier beworbene Rennen war eines der frühsten Auto- und Motorradrennen auf der Bahn, die ein Jahr zuvor eingeweiht worden war. Bei den Rennen am 22. Mai 1921 fuhren das Opel-Duo, bestehend aus dem 22-jährige Fritz von Opel, Sohn Wilhelms von Opel, und dem Werksfahrer Carl Jörns vor ca. 20.000 Schaulustigen glänzende Siege und zugleich eine hervorragende Bilanz für die hauseigenen Produkte ein: Insgesamt konnten sie an diesem Tag sechs Mal auf dem Treppchen stehen – ein imagefördernder Event für Opel! Angesichts der Zuschauermassen, mit denen man offensichtlich nicht gerechnet hatte, lief die Veranstaltung zum Ende allerdings aus dem Ruder. Das Publikum drängte sich so gefährlich an den Kurvenrändern der Bahn, dass die Verantwortlichen die letzten Rennen vorsorglich ausfallen ließ. 

Schon am Ende der Zwanziger Jahre verblasste der Ruhm der ersten deutschen permanenten Autorennstrecke. Sie hielt den Geschwindigkeiten, die man inzwischen mit Motorfahrzeugen erzielen konnte, nicht mehr recht Stand. 1949 fiel das Gelände an den Eigentümer, die Stadt Mainz zurück, die das Schutzgebiet aufforstete und dort die Trinkwasserversorgung der Domstadt sicherstellt. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der Bahn an einem Aussichtspunkt am Schönauer Hof zu besichtigen, der Rest wurde der Natur zurückgegeben und ist mittlerweile von Pflanzen überwuchert.