Sammlung

Die bedeutende frühneuzeitliche Festung – als Standort des Stadt- und Industriemuseums zugleich sein imposantestes „Objekt“ – birgt das Gedächtnis der Stadt. Die Sammlung des Museums bewahrt mit einer Vielzahl aussagekräftiger und Geschichte(n) tragender Objekte die dingliche Überlieferung. Sie reicht vom hier ausgegrabenen steinernen Schaber eines Neandertalers bis zum Industrieroboter.

Wichtige Sammlungsschwerpunkte bilden insbesondere technikhistorisch aussagekräftige Maschinen und Objekte, welche die Lokal-, Sozial- und Alltagsgeschichte spiegeln. Einen Sammlungskomplex bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeit.

Die Restauratorin kümmert sich um die Pflege der vielseitigen Objektgruppen – von Maschinen und Werkzeugen über Textilien und Kunstwerke bis zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen oder Werbemitteln. Die Sammlung spiegelt die Geschichte des Ortes und der Stadt sowie ihrer industriellen Entwicklung. Zahlreiche archäologische Funde belegen die Geschichte der Festung oder erzählen von der Zeit, als Steinzeitjäger, bronzezeitliche Händler und später römische Soldaten die Region durchwanderten.

Im ebenfalls hier beheimateten Stadtarchiv werden Pläne, Dokumente und Fotos zur Stadt und Regionalgeschichte bewahrt.

Neues aus der Sammlung

Modetrend aus der Frühgeschichte

Als kleiner Vorgeschmack auf die anstehende Mitmachausstellung „BODENSCHÄTZE – Geschichte(n) aus dem Untergrund“, die ab dem 27. September von Klein und Groß besucht werden kann, wollen wir Ihnen ein besonderes Fundstück aus unserem Archäologiedepot vorstellen:

Es handelt sich um eine Armspirale, bestehend aus flachem Bronzedraht, der sich einst in 13,5 Windungen um den Arm seiner Trägerin gewunden haben muss. Das Metall ist aufgrund seines Alters bereits oxidiert und deshalb von einer hellgrünen Schicht überzogen. Der Entstehungszeitraum der Armspirale wird in die Bronzezeit datiert, sodass ihr Alter grob auf 4.000 bis 2.800 Jahre geschätzt werden kann. Gefunden wurde sie in einer Baugrube im Rüsselsheimer Ramsee-Viertel.

Die im Alt- und Mittelhochdeutschen auch bouc oder Baugen genannten Armspiralen waren von der Bronzezeit bis ins Frühmittelalter bei der Damenwelt ein beliebtes Accessoire. Dementsprechend häufig wurden sie wohlhabenden Frauen als Grabbeilage mitgegeben, damit diese auch im nächsten Leben ihr Outfit standesgemäß vervollständigen konnten. Armspiralen aber auch vergleichbare Schmuckstücke wie Halsringe wurden später beim Übergang zur Geldwirtschaft aufgrund ihres Materialwerts als Zahlungsmittel verwendet.

Sie wollten schon immer einmal so ein Schmuckstück anlegen? Ein Replikat einer ähnlichen Armspirale, die auch bei uns in der Dauerausstellung im Abschnitt RAUMZEIT zu sehen ist, findet sich in unserer didaktischen Sammlung. Insbesondere bei mehrsinnlichen Führungsan­geboten im Zuge von Stadtmuseum Inklusive kommen Nachbildungen wie diese zum Einsatz. Im Rahmen des „Aktionstages für Blinde und Sehbehinderte“ am 10. Oktober 2020 haben die Teilnehmer*innen der inklusiven Führungen Gelegenheit, die Ausstellung durch Fühlen und Ertasten der Exponate für sich zu entdecken.