Arbeitszeit
Taktung und Zeitdruck
Onur Bahtiyaroglu arbeitet im Druckzentrum „VRM Druck“ in Königstädten. Er sorgt mit dafür, dass der Druck und die Auslieferung regionaler Zeitungen reibungslos funktionieren. Momentan arbeitet er hauptsächlich in der Spät- und Nachtschicht. Gerade nachts wird die Zeit dann schon mal knapp. Aber in seinen 15 Jahren im Betrieb gab es noch nie den Fall, dass eine Tageszeitung nicht produziert wurde. Denn: „Hier ist es ein ungeschriebenes Gesetz. Die Tageszeitung muss raus.“ Seit 2021 ist er Schichtleiter im Versandbereich und verantwortlich für die Produktionssicherheit und -qualität. Dazu gehört die ideale Einteilung von Personal und Maschinen.
„Zeit ist Geld“ nutzte Opel nicht nur als Werbeslogan in den 1920er Jahren. Die Arbeitszeit war effizient zu nutzen, oft markierten Fabriksirenen den Arbeitstakt. So heißt es in der Arbeitsordnung der Firma Opel von 1892, dass jeder Arbeiter „ununterbrochen tätig und stets bestrebt“ sein sollte, „beste Arbeit zu liefern.“ Störungen, wie Faulenzen und Zeitung lesen, „Pfeifen, Singen oder lärmender Wortwechsel“ waren während der Arbeitszeit verboten.
Die Einführung des elektrischen Lichts in den 1890er Jahren machte die Nacht zum Tag und beendete ein für alle Mal die Abhängigkeit des Arbeitstakts vom Tageslicht. Und mit der neuen Fabrikation am Fließband ab Mitte der 1920er Jahre orientierte sich bei Opel die Arbeitsgeschwindigkeit des Einzelnen nur noch am Tempo des an ihm vorbeilaufenden Fließbands.

Onur Bahtiyaroglu erläutert uns im Interview, was ihn zu einer Ausbildung als Drucker bewegt hat, wie er zu seiner aktuellen Tätigkeit als Versandschichtleiter kam und aus welchen Aufgaben diese besteht. Zudem sprechen wir über die Herausforderungen des Schichtbetriebs und welche menschlichen Eingriffe auch in einer hochautomatisierten Druckerei weiterhin notwendig bleiben.
Unbekannte Schätze aus dem Depot

| Inventarnummer | 08074 |
| Objektbezeichnung | Andruckpresse |
| Datierung | 70er Jahre 20.Jh. |
| Material | Metall; Kunststoff; Holz |
| Breite / Länge | 136,5 cm |
| Tiefe | 76,5 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 117 cm |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Unternehmensgeschichte |
Diese Andruckpresse der Marke „Korrex“ gehörte der mittlerweile nicht mehr tätigen Rüsselsheimer Druckerei Dambmann. Andruckpressen wurden für kleinere Druckauflagen genutzt oder sie dienten dazu, einen Abzug zur Fehlerkorrektur zu erstellen, bevor der Druckauftrag in schnellere Druckmaschinen für größere Auflagen eingespannt wurde.
Auch im Druckereiwesen vollzog sich in den zurückliegenden Jahrzehnten eine umfangreiche technische Umstellung des Fertigungsprozesses. Onur Bahtiyaroglu erzählt uns im Interview, dass er zunächst eine Ausbildung zum Drucker absolvierte. Die Nähe zu den Maschinen, zu den Werkstoffen sowie die Betriebsamkeit der Produktionshallen hätten ihn zu diesem Beruf hingezogen: „Das ist doch Action pur. Du bist immer im Geschehen drin.“, habe er sich gedacht. Sein aktueller Arbeitsplatz, die hochmoderne Printfertigung bei VRM Druck, lädt allerdings zur Frage ein, wo denn überhaupt noch menschliche Eingriffe nötig sind. – Die hier produzierten Zeitungen rauschen in automatisierten Fertigungsstraßen von den Druckmaschinen bis in den Versandbereich. Dennoch gibt es weiter Aufgaben für den Menschen, selbst wenn diese sich verändert haben, wie Onur Bahtiyaroglu berichtet. Denn die Maschinen müssen programmiert, bedient und überwacht werden

| Inventarnummer | 08079 |
| Objektbezeichnung | Andonboard |
| Datierung | 90er Jahre 20.Jh. |
| Material | Metall; Glas; Kunststoff |
| Breite / Länge | 104 cm |
| Tiefe | 21,5 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 58 cm |
| Sammlungszusammenhang | Firmengeschichte Opel; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Technikgeschichte |
Maschinen, Fließbänder und Roboter prägen das Bild einer modernen, hochautomatisierten Automobilproduktion. Dabei stellen diese technischen Objekte nur eine Seite der Entwicklung dar. Mit dem technischen Fortschritt gingen stets auch organisatorische Umstrukturierungen einher, die die Aufgaben und Taktung in den Produktionshallen genauso veränderten wie neue Maschinen.
Unter dem Begriff „Lean Production“ („schlanke Produktion“) setzte sich in der Automobilindustrie eine aus japanischen Betrieben stammende Produktionsorganisation durch, die Verschwendungen vermeiden und die Ressourcen aller Unternehmensbereiche möglichst effektiv nutzen sollte.
Elektronische Anzeigen wie dieses „Andon Board“ dienen dazu, Mitarbeiter an den Fertigungslinien über den aktuellen Produktionsstand und mögliche Prozessprobleme zu informieren. Bei Qualitätsmängeln oder Störungen können Mitarbeiter an einer Leine ziehen und so ein akustisches und visuelles Signal auf dem Andon Board auslösen. Falls nötig, kann die Produktionslinie sofort gestoppt werden, um das bemerkte Problem direkt zu beheben.

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 342 |
| Objektbezeichnung | Opel-Werbung "Zeit ist Geld" |
| Datierung | 20er Jahre 20. Jh. |
| Material | |
| Breite / Länge | 23,5 cm |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | 31,8 cm |
| Sammlungszusammenhang | Firmengeschichte Opel; Sozial -und Arbeitsgeschichte |
„Zeit ist Geld“ nutzte Opel nicht nur als Werbeslogan. In modernen Industriebetrieben wurden diese Worte zum Grundsatz.
In Fabrikordnungen versuchten Betriebe, nicht nur Arbeitsbeginn und Feierabend ihrer Mitarbeiter, sondern auch deren Verhalten am Arbeitsplatz zu regeln. Ihre Arbeitszeit sollten sie effizient nutzen. So wurde in der Arbeitsordnung der Firma Opel von 1892 die Erwartung formuliert, dass jeder Arbeiter „ununterbrochen tätig und stets bestrebt ist, beste Arbeit zu liefern.“ Störungen wie Faulenzen und Zeitung lesen sowie „Pfeifen, Singen oder lärmender Wortwechsel“ waren während der Arbeitszeit untersagt.
Mit der Einführung technischer Neuerungen änderten sich die Taktvorgaben weiter: In den 1890er Jahren hielt elektrisches Licht Einzug in die Fabrikhallen von Opel und ermöglichte Arbeit bis in die Nacht. Ab den 1920er Jahren wurden die Montageabteilungen, zunächst die Fahrradproduktion, dann die Autoproduktion, sukzessive auf eine Fertigung an Fließbändern umgestellt. Die Arbeitsgeschwindigkeit des Einzelnen musste sich nunmehr am Tempo des an ihm vorbeilaufenden Bandes orientieren.

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 502 |
| Objektbezeichnung | Opel 1928, 4PS-Chassis-Montage |
| Datierung | 20er Jahre 20. Jh. |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Firmengeschichte Opel; Sozial -und Arbeitsgeschichte |

| Inventarnummer | 07060 |
| Objektbezeichnung | Neoprint Setzkasten (M 319) |
| Datierung | Zweite Hälfte 20. Jh. |
| Material | Holz; Gummi; Metall; Papier |
| Breite / Länge | 30 cm |
| Tiefe | 23 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 8,5 cm |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Technikgeschichte |

| Inventarnummer | 06153.1 |
| Objektbezeichnung | AEG Industrielampe |
| Datierung | 50er Jahre 20.Jh. |
| Material | Stahl |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | 26 cm |
| Höhe | 65 cm |
| Sammlungszusammenhang | Firmengeschichte Opel; Biographischer Bezug; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte |
| Inventarnummer | 06154.1 |
| Objektbezeichnung | Glühbirne für Industrielampe |
| Datierung | 70er Jahre 20.Jh. |
| Material | Glas; Aluminium; Quecksilber |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | 13 cm |
| Höhe | 29 cm |
| Sammlungszusammenhang | Biographischer Bezug; Firmengeschichte Opel; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte |
„Beim Oppel spukt’s!“ dachten wohl einige in Rüsselsheim, als in den 1890er Jahren erstmals elektrisches Licht die Fabrikhallen erleuchtete und Betrieb bis in die Nacht hinein ermöglichte. Der Schichtbetrieb und damit die Arbeit bei Nacht sind in der Industrieproduktion schließlich zur Regel geworden.
Das gilt auch für unseren Interviewpartner Onur Bahtiyaroglu. Wie er berichtet, übernehme er als Versandschichtleiter vor allem Spät- und Nachtdienste. Das stelle schon eine körperliche und mentale Herausforderung dar. Aber, so betont er im Interview, seien für ihn diese Arbeitszeiten zu einem „Selbstverständnis“ geworden. Auch das Familienleben habe sich darauf eingestimmt. Nachtschichten bieten ihm etwa die Möglichkeit, die Kinder mittags von der Schule zu holen, Aktivitäten am Nachmittag mit ihnen zu gestalten und sie abends vor Schichtbeginn ins Bett zu bringen.

| Inventarnummer | 03410 |
| Objektbezeichnung | Werksuhr |
| Datierung | 90er Jahre 20.Jh. |
| Material | Eisen; Metall; Glas; Kunststoff |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | 9,2 cm |
| Durchmesser | 54,5 cm |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Firmengeschichte Opel; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte; Stadtgeschichte |