Arbeitszeit
Abstimmung mit dem Wetter
„Wenn die Radieschen gesät werden müssen, dann müssen sie gesät werden. Wenn ich es nicht tue, habe ich keine zu ernten“, beschreibt Landwirt Herbert Jung aus Bauschheim seine Arbeit. Bis heute bestimmt die Abhängigkeit von der jeweiligen Jahreszeit die anfallenden Aufgaben. Und auch auf die Witterung gilt es passend zu reagieren. „Das Wetter bestimmt nach wie vor sehr stark unsere Arbeitszeit und wie wir sie uns einteilen.“ Im Sommer dauern seine Arbeitstage mitunter 15 Stunden. Hinzu kommen Aufgaben an den Wochenenden. Flexibilität zählt für ihn eindeutig zu seinem Beruf dazu. Die Landwirtschaft hat heute zwar einen anderen Charakter als in vorigen Jahrhunderten. Aber nach wie vor ist sie eng mit den Bedingungen verknüpft, welche die Jahreszeiten und das Wetter vorgeben. Diese Verbindung hatte allerdings lange Zeit eine viel existenziellere Bedeutung. So etwa im „Jahr ohne Sommer“ 1816, das durch Kälte und Überschwemmungen gezeichnet war. Der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora sorgte weltweit für Missernten und Überschwemmungen. Die sogenannten „Hungermedaillen“ halten die Not der damaligen Bevölkerung bis heute in Erinnerung: „Der kalte Regen im Sommer erzeugte das Schröcklichste, was die Menschen treffen kann, einen allgemeinen Miswachs, und den aus ihm entspringenden Brodmangel.“

Herbert Jung und seine Familie führen einen Gemüsebaubetrieb in Bauschheim. Im Interview sprechen wir nicht nur darüber, wie sich die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft in Abhängigkeit von Wetter und Jahreszeiten bestimmen. Sondern es geht auch um sich verändernde Vertriebswege für Landwirte, wie sich der Beruf verändert hat und welchen Anteil Verwaltungstätigkeiten mittlerweile einnehmen.
Unbekannte Schätze aus dem Depot

| Inventarnummer | 00092 |
| Objektbezeichnung | Pferdefuttersack |
| Datierung | Erste Hälfte 20. Jh. |
| Material | Leinenstoff |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | 22 cm |
| Höhe | 27,5 cm |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte |

| Inventarnummer | 03210 |
| Objektbezeichnung | Obstbaumspritze |
| Datierung | 1956/57 |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Alltag, Feste und Freizeit; Biographischer Bezug |

| Inventarnummer | 05200 |
| Objektbezeichnung | Rübenköpfschippe (Rübenkrautstecher) |
| Datierung | 50er Jahre 20.Jh. |
| Material | Holz; Eisen |
| Breite / Länge | 21,8 cm |
| Tiefe | 8 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 164 cm |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte |
Bestimmte Tätigkeiten und Handgriffe in der Landwirtschaft lassen sich bis heute kaum „mechanisieren“ und benötigen weiterhin den Einsatz von Menschen. Andere Vorgänge wiederum werden mittlerweile hauptsächlich mit der Hilfe von Maschinen erledigt. Letzteres gilt auch für die Zuckerrübenernte. Zuvor waren jedoch viele helfende Hände vonnöten:
Köpfschippen wie diese wurden genutzt, um das Blattwerk der Zuckerrüben zu entfernen, bevor die Rüben selbst aus dem Boden ausgepflügt oder ausgestochen wurden. Oder andersherum: Erst wurden die Rüben aus dem Boden geholt und dann das Blattwerk entfernt.

| Inventarnummer | 05399 |
| Objektbezeichnung | Dreschflegel |
| Datierung | Mitte 19. Jhd - Mitte 20. Jhd |
| Material | Holz; Leder |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | ca. 130 cm |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Technikgeschichte |

| Inventarnummer | 06710 |
| Objektbezeichnung | Pflückgerät |
| Datierung | 20. Jahrhundert |
| Material | Eisen, Leinenstoff |
| Breite / Länge | 21 cm |
| Tiefe | 12,5 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 28 cm |
| Sammlungszusammenhang | Alltag, Feste und Freizeit; Sozial -und Arbeitsgeschichte |

| Inventarnummer | 07448 |
| Objektbezeichnung | Haken, Ritzpflug |
| Datierung | Zweite Hälfte 19. Jahrhundert |
| Material | Holz, Eisen |
| Breite / Länge | 233 cm |
| Tiefe | 48,5 cm |
| Durchmesser | |
| Höhe | 91 cm |
| Sammlungszusammenhang | Biographischer Bezug; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Technikgeschichte |
Bevor der Krafteinsatz von Traktoren die Bodenbearbeitung erleichtern konnte, wurden Geräte wie dieser Haken so gestaltet, dass sie von Arbeitstieren wie Pferden oder Ochsen über das Feld gezogen werden konnten. Ein Haken dient dazu, den Feldboden aufzureißen. Mit einem Pflug wird der Boden gewendet, also „umgepflügt“.

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 093 |
| Objektbezeichnung | Fotografie "Frauen beim Krautschneiden in Königsstädten" |
| Datierung | 20. Jahrhundert |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte; Stadtgeschichte |

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 796 |
| Objektbezeichnung | Foto Lanz-Mähdrescher 1960er |
| Datierung | |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte |
Trotz des vermehrten Einsatzes von Maschinen wie diesem Mähdrescher, den eine Rüsselsheimer Bauernfamilie 1958 erwarb, bleibt ein Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit von den Wetterbedingungen abhängig. Für die Ernte muss das Getreide den passenden Reifegrad erreicht haben und trocken genug sein, um geerntet, gelagert und weiterverarbeitet werden zu können.
Auch unser Interview mit Herbert Jung im Spätsommer 2025 musste sich dem Wetter anpassen und um eine Woche verschoben werden. Denn zunächst hatte bei Gemüsebau Jung die Kartoffelernte Vorrang, bevor sich die nächste Regenfront ankündigte und die optimalen Erntebedingungen gefährdete.

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 797 |
| Objektbezeichnung | Foto Kartoffelsetzten 1967 |
| Datierung | |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte |

| Inventarnummer | 04683 |
| Objektbezeichnung | Zuckerrübensaat |
| Datierung | 20. Jahrhundert |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte |
Die moderne Landwirtschaft veränderte sich nicht nur durch den vermehrten Einsatz von Maschinen, sondern auch über die Weiterentwicklung der Düngemethoden oder des Saatguts. Diese Zuckerrübensaat ist einkeimig. Nach dem Keimen der Pflanzen müssen diese somit nicht mehr, wie zuvor bei mehrkeimigem Saatgut, nochmals auf dem Feld vereinzelt werden. Das Saatgut ist zudem bereits von einer Schicht aus Pflanzenschutzmitteln umhüllt. Der blaue Farbüberzug dient dazu, direktem Hautkontakt mit diesen Schutzmitteln vorzubeugen.

| Inventarnummer | 05574.2 |
| Objektbezeichnung | Kupferstich-Medaillons |
| Datierung | 1816/17 |
| Material | Papier |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | 4,4 cm |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Darstellung der Arbeit in der Kunst; Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte |
Die Landwirtschaft hat heute einen anderen Charakter als in vorigen Jahrhunderten, aber nach wie vor ist sie eng mit den Bedingungen verknüpft, die Jahreszeiten und Wetter vorgeben.
Diese Verbindung hatte allerdings lange Zeit eine viel existenziellere Bedeutung. So etwa im „Jahr ohne Sommer“ 1816, das durch Kälte und Überschwemmungen gezeichnet war. Als Hauptursache gilt der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora, der weltweit für eine Abkühlung sorgte. In den Jahren nach 1816 herausgegebene „Hungermedaillen“ sollten in Erinnerung halten, was dies für die lokale Bevölkerung bedeutete.
Auf dazugehörigen Papiereinlagen wurden die Ereignisse dargestellt und beschrieben. So heißt es in einer der Beschriftungen: „Der kalte Regen im Sommer erzeugte das Schröcklichste, was die Menschen treffen kann, einen allgemeinen Miswachs, und den aus ihm entspringenden Brodmangel.“

| Inventarnummer | 00370 |
| Objektbezeichnung | Stalltür |
| Datierung | vor I. WK |
| Material | Holz; Eisen |
| Breite / Länge | 73 cm |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | 182 cm |
| Sammlungszusammenhang | Stadtgeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte |
Diese Tür trennte Ziegenstall und Wohnhaus der Familie Rieffel, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Weinbergstraße 20 wohnten. Der Großteil der Arbeiterhaushalte zu dieser Zeit hielt Kleinvieh wie Hühner, Gänse oder Ziegen zur eigenen Versorgung. Die Gärten in Arbeitersiedlungen dienten vorrangig dazu, eigenes Gemüse anbauen zu können. Wohnen sowie Land- und Viehwirtschaft zum Eigengebrauch kamen somit auf dem gleichen Grundstück zusammen.
Für kleinere landwirtschaftliche Betriebe ist diese räumliche Zusammenkunft von Wohnung und Arbeitsplatz auf dem eigenen Hof weiterhin üblich. Das gilt auch für den Hof von Herbert Jung und seiner Familie in Bauschheim. Hier finden Wohnung, Scheune sowie Hofladen und Hofcafé auf dem Grundstück zusammen.

Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
| Inventarnummer | F 082 |
| Objektbezeichnung | Foto Wagnerei 4 Lanz-Traktor |
| Datierung | 20. Jahrhundert |
| Material | |
| Breite / Länge | |
| Tiefe | |
| Durchmesser | |
| Höhe | |
| Sammlungszusammenhang | Handwerks-, Handels- und Industriegeschichte; Technikgeschichte |