Arbeitszeit

Nie endende Berufung

„Das Feuer ist, Gott sei Dank, mit meinem Alter von 75 Jahren noch nicht erloschen,“ berichtet der freischaffende Künstler Werner Neuwirth im Interview. Im Alter von 16 Jahren beschäftigte er sich erstmals mit dem Zeichnen, seitdem ließ es ihn nicht mehr los. Als Maler, Bildhauer und Gestalter geht er bis heute noch täglich in sein Atelier. „Das ist einfach so eine Leidenschaft, das kann man gar nicht vermitteln.“ 2017 erarbeitete er gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigung Kunstobjekte für die Ausstellung „Rüsselsheim anders bauen“ im Stadt- und Industriemuseum. Heute leitet er einen regelmäßigen Kunstworkshop in der Wohnstätte „Herta Max“ der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main.

Durch ihre oft ehrenamtliche Arbeit bringen sich viele Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer in die Gemeinschaft ein. Sie erfüllen Vereine und Veranstaltungen mit Leben, schalten sich in politische Debatten ein oder helfen ihren Mitmenschen. Herta Max war eine von ihnen. Sie engagierte sich ein Leben lang vor Ort, wurde 1956 Stadtverordnete und später zur ersten Frau im Magistrat der Stadt Rüsselsheim gewählt. Ihr wichtigstes Anliegen war die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung. 1970 gründete sie zusammen mit anderen die „Werkstätten für Behinderte Rhein-Main“. Später kamen eine Sonderkindertagesstätte und ein Wohnheim hinzu, das nach ihrem Tod auch ihren Namen erhielt.

Porträt Werner Neuwirth

 

Werner Neuwirth kann bereits auf viele Jahre beruflicher Erfahrung zurückblicken. Im Interview unterhalten wir uns über seinen Weg zur Kunst und zur Musik, wie er sich seine Arbeitszeiten als Selbstständiger einteilt, welche Leidenschaft er mit der Kunst verbindet und wieso er daher gar nicht über einen Ruhestand nachdenkt.

 


Unbekannte Schätze aus dem Depot


F 800_2.5_Arbeitszeit_Berufung_Porträt Herta Max
Foto: Stadtarchiv Rüsselsheim
Inventarnummer F 800
Objektbezeichnung Foto Herta Max
Datierung  
Material  
Breite / Länge  
Tiefe  
Durchmesser  
Höhe  
Sammlungszusammenhang Biographischer Bezug; Stadtgeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte

Nicht nur durch ihre Arbeit, sondern auch durch ihr Ehrenamt bringen sich viele Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer in die Gemeinschaft ein. Sie füllen Vereine und Veranstaltungen mit Leben, schalten sich in politische Debatten ein und helfen ihren Mitmenschen. Zu ihnen gehörte auch Herta Max, die sich ein Leben lang vor Ort engagierte. 1956 wurde sie Stadtverordnete und später zur ersten Frau im Magistrat der Stadt Rüsselsheim. Ihr wichtigstes Anliegen war die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung. 1970 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Werkstätten für Behinderte Rhein-Main“. 1974 begann der Bau einer Werkstatt in Königstädten. Später kamen eine Sonderkindertagesstätte und eine Wohnstätte hinzu, die nach ihrem Tod ihren Namen erhielt.



Inventarnummer 07658.1
Objektbezeichnung Luftfrachtgurt
Datierung Erstes Viertel 21. Jh.
Material Textil; Aluminium
Breite / Länge 12 cm
Tiefe 23 cm
Durchmesser  
Höhe 7 cm
Sammlungszusammenhang Sozial -und Arbeitsgeschichte; Stadtgeschichte

Der Verein Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e.V. begleitet im Kreis Groß-Gerau rund 1.000 Menschen mit Beeinträchtigung unterschiedlichen Alters in vielen Lebensbereichen wie Arbeiten, Wohnen und Bildung. Hierzu gehört auch die seit 1975 bestehende Werkstatt in Königstädten, die unterschiedliche Arbeitsbereiche von der Holz- und Metallverarbeitung, über Konfektionierung und die Verpackung von Produkten bis hin zur Herstellung von Sicherungssystemen für Luftfracht besitzt.
Auch der hier abgebildete Luftfrachtgurt, der zur Sicherung von Frachtgut im Laderaum von Flugzeugen der Lufthansa genutzt wird, wurde in Königstädten gefertigt. Zu den weiteren Spezialprodukten für diesen Einsatzbereich gehören zudem schwer entflammbare Verzurrleinen oder Abdeckungen aus Schwertextilien.
Im Rahmen unserer Interviewreihe führten wir auch ein Gespräch mit Stephanie Lomm. Sie arbeitet in der Königstädter Metallwerkstatt bei der Herstellung von Zugstangen für Gepäckanhänger mit, die auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens im Einsatz sind.


08073_2.5_Arbeitszeit_Berufung_Konvolut-Neuwirth
Inventarnummer 08073
Objektbezeichnung Künstlermaterialien
Datierung Erstes Viertel 21. Jh.
Material Holz; Kunststoff; Ölfarbe; Ölkreide; Bleistift / Graphitstift; Pastellkreide; Glas
Breite / Länge  
Tiefe  
Durchmesser  
Höhe  
Sammlungszusammenhang Sozial -und Arbeitsgeschichte; Stadtgeschichte

Zu den Arbeiten unseres Interviewpartners Werner Neuwirth zählen Zeichnungen, Collagen, Malereien und Skulpturen. Auch für einzelne Bilderserien mischt er oftmals unterschiedliche Materialien und Techniken. Sein liebstes Medium sei dabei das Papier, verrät er uns im Interview. Denn besonders gern benutze er Stiften und Kreiden.
Dem Stadt- und Industriemuseum überließ er eine Sammlung unterschiedlicher Werkzeuge und Materialien, die er in den zurückliegenden Jahren für die Erstellung seiner Kunstwerke verwendet hat. Auch hier bildet sich diese Vielfalt ab: Blei- und Buntstifte, Ölkreiden, Pinsel, Ölfarben, eine Farbpalette mit Aquarellfarben und Tinte gehören dazu. Der abgebildete Klebestift war ebenfalls im Einsatz: Dieser wurde zum Verkleben von Collagen genutzt.


07886_2.5_Arbeitszeit_Berufung_Urkunde-Herta-Max
Inventarnummer 07886
Objektbezeichnung Urkunde "Stadtälteste"
Datierung 70er Jahre 20.Jh.
Material Papier, Pappe
Breite / Länge 21 cm
Tiefe 0,1 cm
Durchmesser  
Höhe 30 cm
Sammlungszusammenhang Stadtgeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte

07887_2.5_Arbeitszeit_Berufung_Urkunde-Hertha-Max
Inventarnummer 07887
Objektbezeichnung Urkunde "Bundesverdienstkreuz"
Datierung 90er Jahre 20.Jh.
Material Papier, Pappe
Breite / Länge 21,3 cm
Tiefe 0,1 cm
Durchmesser  
Höhe 30,1 cm
Sammlungszusammenhang Sozial -und Arbeitsgeschichte; Stadtgeschichte; Biographischer Bezug

1992 wurde Herta Max vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz verliehen.
Sie wurde 1920 in Aussig, im damaligen Sudetenland, geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie als Heimatvertriebene nach Rüsselsheim, wo sie sich in verschiedenen Institutionen jahrzehntelang ehrenamtlich einsetzte. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der örtlichen SPD-Frauengruppe, war Vorsitzende im Personalrat des Kreisgesundheitsamtes und erste Vorsitzende des Vereins „Werkstätten für Behinderte Rhein-Main“.
Neben dem Bundesverdienstkreuz erhielt sie unter anderem den Ehrenbrief des Landes Hessen und das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Stadt Rüsselsheim verlieh ihr 1977die Ehrenbezeichnung „Stadtälteste“ und 1981 das Wappen der Stadt. Zudem wird heute als eines der „Leuchtenden Vorbilder“ Rüsselsheims an sie erinnert.


07045.1_2.5_Arbeitszeit_Berufung_SchlüsselanhängerWFB
Inventarnummer 07045.1
Objektbezeichnung Schlüsselanhänger "WfB"
Datierung Erstes Viertel 21. Jh.
Material Kunststoff; Stahl; Polyester
Breite / Länge 19 cm
Tiefe 3 cm
Durchmesser  
Höhe 1,5 cm
Sammlungszusammenhang Alltag, Feste und Freizeit; Stadtgeschichte; Sozial -und Arbeitsgeschichte

06262.3_Arbeitszei_Berufung_Zeichnung Rüsselsheim anders bauen
Inventarnummer 06262.3
Objektbezeichnung Zeichnung "Rüsselsheim anders bauen"
Datierung Erstes Viertel 21. Jh.
Material Papier
Breite / Länge 14,8 cm
Tiefe  
Durchmesser  
Höhe 21,1 cm
Sammlungszusammenhang Alltag, Feste und Freizeit; Stadtgeschichte

06264_2.5_Arbeitszeit_Berufung_Schild-DosAmigos
Inventarnummer 06264
Objektbezeichnung Kunstobjekt "Rüsselsheim anders bauen"
Datierung Erstes Viertel 21. Jh.
Material Pappe
Breite / Länge 69,7 cm
Tiefe 3,9 cm
Durchmesser  
Höhe 34,2 cm
Sammlungszusammenhang Stadtgeschichte; Alltag, Feste und Freizeit

Dieses Schild entstand im Rahmen der Vorbereitungen zu der Ausstellung „Rüsselsheim anders bauen“ im Stadt- und Industriemuseum mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main 2017. Im Rahmen des Inklusionsprojekts „StadtMuseum inklusive: beteiligen, nicht behindern“ leiteten die Künstler Werner Neuwirth und Rüdiger Steiner einen zehnwöchigen Workshop, in dem sich die Teilnehmenden künstlerisch mit Rüsselsheim beschäftigten: Was gefällt ihnen an Rüsselsheim? Wie erleben sie die Stadt? Was interessiert sie? Was könnte schöner sein? Anhand dieser Fragen schuf die Workshopgruppe eine begehbare Skulptur mit einem ganz neuen Blick auf die Stadt. Teil der Ausstellung war eine barrierefreie Bühne, von der aus die „Dos Amigos“ die Ausstellungseröffnung musikalisch begleitete. Das Duo bestand aus einem Workshop-Teilnehmer und Werner Neuwirth.