StadtMuseum inklusive

Fachtagung „Mittendrin: Kreative Zugänge zum Museum für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung“

Ein Forum für einen regen interdisziplinären Austausch bot das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim rund 90 Fachleuten aus Museen, der Heil- und Förderpädagogik sowie Menschen mit Beeinträchtigung im April 2018. Erstmals im Rahmen einer Tagung begegneten sich hier Vertreterinnen und Vertreter dieser unterschiedlichen Disziplinen, um gemeinsam Möglichkeiten zur Erreichung von kultureller Teilhabe auszuloten.
Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel und der WfB Rhein-Main stattfand, gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland Gelegenheit, über neue Wege zu einer inklusiven Museumsarbeit zu diskutieren und Ideen für eine Kooperation zwischen Museums- und Förderpädagogik zu entwickeln.
In Vorträgen und Workshops stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Projektergebnisse vor und Fachleute aus Museen sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe gaben Einblicke in ihre Praxis. Sie alle gingen der Frage nach, inwieweit Methoden der Förder- und Museumspädagogik im kulturellen Kontext in der Arbeit mit Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung eingesetzt werden können und boten so den Anwesenden verschiedenste Impulse und neue Ansätze für eigene Vorhaben.

Grundsätzliche Positionen zum Thema Museum und Inklusion skizzierten aus Sicht der Förderpädagogik der Pädagoge und Journalist Dr. Werner Schlummer sowie aus der Perspektive der Museen Prof. Dr. Bernhard Graf (Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Über Ziele, Inhalte, Erfahrungen und Ergebnisse des „Projekts StadtMuseum inklusive: beteiligen, nicht behindern!“, dem ersten umfassenden Projekt für Menschen mit Unterstützungsbedarf im Museum, sowie die gelungene Kooperation zwischen Museum und Behindertenwerkstatt im Projektverlauf berichteten Cornelia Röhlke, Dr. Bärbel Maul (Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim) und Steffen Walther (Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e.V.). Verschiedene Methoden und Ansätze für kulturelle Bildung und Teilhabe, die ihren Ursprung in der Förderpädagogik haben und als besonders vielversprechende Ansätze für die Museumsarbeit im Projekt „StadtMuseum inklusive“ zum Tragen kamen, stellten Prof. Barbara Fornefeld (Humanwissenschaftliche Fakultät, Universität zu Köln), die Pädagogin Ines Bader (bis 2017 Diakonie Stetten) und der Theatermacher und Dozent Matthias Gräßlin (Theaterwerkstatt Bethel) vor. Verschiedenste Ansätze und Zugänge für kulturelle Bildung aus bestehenden Angeboten in Museen, z.B. partizipative Projekte wie die Ausstellung „TOUCHDOWN“ der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn oder Vermittlung „mit allen Sinnen“ im Rahmen des Projekts „Pilot Inklusion“ sowie Veranstaltungen für Menschen mit Demenzerkrankung wie „Kohle weckt Erinnerung“ wurden als gelungene Beispiele inklusiver Kulturarbeit präsentiert. Die Projektwerkstatt „Perspektiven im Dialog“ animierte die Teilnehmenden zu einem Rollenwechsel und bot ihnen die Gelegenheit, aus einem anderen Blickwinkel zu diskutieren.
Einen Tagungsbeitrag der anderen Art gab es am Abend im Festungskeller: „Büb Käzmann“, alias Markus Höffer-Mehlmer aus Mainz, ließ verwirrte Tagungsgäste mit „Tunnelblick“ aufs Namensschildchen ebenso lebendig werden wie einen Experten, der die wohltuende Wirkung von „Chi-Chi“ in Wohnräumen rühmte.

Der im Dezember 2018 im transcript Verlag erscheinende Tagungsband „Museum und Inklusion. Kreative Wege zur kulturellen Teilhabe“ lädt zum Nachlesen der informativen und inspirierenden Beiträge ein.


Projekt gefördert im Fonds Stadtgefährten der

Kulturstiftung des Bundes

Projektpartner